Den Blick geöffnet – Für Gottes weites Land

Der Herr ward meine Zuversicht. Er führte mich hinaus ins Weite, er riss mich heraus; denn er hatte Lust zu mir.

(Psalm 18, 9b.10)

Ein Wort der Hoffnung begegnet uns in den Versen des 18. Psalms. Der Herr ward meine Zuversicht – da spricht ein Mensch, der erlebt hat, wie Gott ihm wieder Hoffnung geschenkt hat. Er führte mich hinaus ins Weite – das sagt jemand, der eine neue Perspektive sieht. Da sieht einer ein neues Bild vor sich. Da entdeckt vielleicht jemand einen neuen Weg, wo er vorher keine Spur davon erkennen konnte. Vielleicht ist es auch noch nicht der ganze Weg, aber doch einige nächste Schritte, die jemand gehen kann. Da wo noch Ungewissheit und Unsicherheit sind, findet einer – mehr oder weniger tastend – eine Richtung.

Er führte mich hinaus ins Weite. Das macht neugierig. Da gibt es etwas zu entdecken. Das ist ein Weg heraus aus dem, was mich einengt. Aus Gedanken, die mich binden und um die ich immer wieder kreise, gibt es einen Ausweg, den ich sehen kann, weil Gottes Geist mir den Blick dafür öffnet. Da kann ich frei werden von belastenden Gefühlen der Unsicherheit. Da tritt Bedrohliches in den Hintergrund. Vielleicht ist das manchmal nur für den Moment so. Aber es mögen genau diese Momente sein, in denen ich etwas spüren darf von dieser Weite, die Gott vor mir ausbreitet.

Im Mittelpunkt des zweiten Sonntags nach Ostern mit dem lateinischen Namen „Misericordias Domini“ (die Barmherzigkeit des Herrn) steht das Bild von Jesus als dem guten Hirten. Es ist das Bild, das wir auch im Psalm 23 wiederfinden – einem der wohl bekanntesten Texten der Bibel: Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Mit diesen vielen Menschen noch geläufigen Worten beginnt der 23. Psalm. Auch in diesem Psalm wird ein Bild gezeichnet von einem guten, weiten Land, das Gott vor dem Menschen ausbreitet. Auch hier wird ein Weg gezeichnet durch Dunkelheit und dem Gefühl von Bedrohung hindurch. Da heißt es: Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück. Zuversicht wächst, weil Bilder der Hoffnung und Geborgenheit stärker sind: Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser.

Das macht die Seele, die noch in Ängsten war und noch gefangen ist von dem, was belastet, wieder lebendig: Er erquicket meine Seele. Ein Bild der Gastfreundschaft, des Willkommenseins und er Geborgenheit bringt dieser Psalm zum Ausdruck: Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Es ist ein Bild des Friedens und der Geborgenheit, wenn ich mich erwartet und eingeladen fühlen darf. Es ist ein Bild der Stärkung. Hier kann einer Rast finden nach einem schwierigen Weg, den er als bedrohlich und ungewiss erlebt haben mag.

Heute mag es vielen Menschen so gehen, dass sie das, was wir gerade erleben, als den Weg durch ein dunkles Tal empfinden. Doch es mag auch immer wieder Begebenheiten geben, die uns den Blick für die Weite öffnen – ein offenes Land, in dem Gott schon immer auf uns wartet mit dem, was wir an Hoffnung und Zuversicht finden sollen.

Das Bild vom guten Hirten mag ein sehr idyllisches Bild sein. Doch es ist auch ein Bild für das, was Menschen erlebt haben, wenn ihr Blick für das weite, gute Land geöffnet wurde. Gottes Geist kann uns von innen heraus verwandeln und uns neu sehen lassen – und seien es auch nur die nächsten Schritte. Gottes Geist kann uns zur Ruhe kommen lassen.

Er – der Herr – riss mich heraus. So heißt es im Psalm 18. Gottes Geist kann uns herausreißen aus unseren dunklen Gedanken, aus unserer Angst und unserer Kraftlosigkeit. Das kann geschehen, wo wir vielleicht an sich Alltägliches neu entdecken. Das kann auch durch Menschen geschehen, die uns zu einem weiteren Blick helfen – auch über jeden Abstand hinweg. So oft sind es einfache, aber wichtige Worte, die Menschen einander sagen und damit einander wieder den Blick öffnen für das weite, gute Land, das vor uns liegt. Oder die uns nur die nächsten Schritte entdecken lassen, die uns herausführen aus dem Ringen mit den eigenen Gedanken und dem Kreisen um uns selbst.

Das weite Land vor sich sehen – das kann da gut geschehen, wo Menschen Zeit, Verständnis und gute Worte und Gedanken miteinander teilen. Gemeinsam können wir dieses weite Land entdecken, das Gott uns zeigen will. Gemeinsam – auch über die Distanz hinweg. So zeigt uns Gott neue Perspektiven und eröffnet uns Bilder der Hoffnung durch die Menschen, die uns mit ihren Worten und Gedanken begleiten. So können wir anderen Gutes zusprechen. Gemeinsam können wir Zuversicht finden. So stärken wir unseren Blick auf den Weg der Hoffnung.

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Zeit!

Pfr. Jens Arnold

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